FOW · Kl. 12 · LB 1 — Märkte als Steuerungselement der VW
Preisbildung, Marktformen & Elastizität
Alle Inhalte aus deinen Arbeitsblättern, aufbereitet mit Diagrammen zum Ausprobieren, einem Elastizitäts-Rechner und Beispielen, die du direkt anklicken kannst.
01 Das Wichtigste zuerst
15 Kernaussagen — wenn die sitzen, hast du den Großteil der Klausur im Griff.
02 Preisbildung
Angebot, Nachfrage und wie daraus ein Preis entsteht.
Angebot
Menge, die Anbieter zu einem bestimmten Preis verkaufen wollen. Je höher der Preis, desto mehr wird angeboten.
1,00 € → 0,5 kg · 4,00 € → 3,5 kg
Nachfrage
Menge, die Käufer zu einem bestimmten Preis kaufen wollen. Je höher der Preis, desto weniger wird nachgefragt.
1,00 € → 2,0 kg · 4,00 € → 0,5 kg
Merksatz zum Vervollständigen (aus AB 5a)
Je höher die Nachfrage nach Äpfeln, desto höher der Preis.
Je größer das Angebot an Äpfeln, desto niedriger der Preis.
Gleichgewicht, Überschüsse, Preismechanismus
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Marktgleichgewicht | Angebotene Menge = nachgefragte Menge, Markt wird "geräumt" |
| Gleichgewichtspreis | Preis am Schnittpunkt beider Kurven |
| Angebotsüberschuss | Preis über Gleichgewicht → mehr Angebot als Nachfrage → Preisdruck ↓ |
| Nachfrageüberschuss | Preis unter Gleichgewicht → mehr Nachfrage als Angebot → Preisdruck ↑ |
| Preismechanismus | Der Markt bewegt sich über diese Über-/Unterschüsse selbstständig zum Gleichgewicht |
03 Diagramm-Labor
Zieh die graue Preislinie nach oben oder unten und beobachte, was mit Angebot, Nachfrage und dem Überschuss passiert.
Wie du das Diagramm liest
| Frage | Antwort |
|---|---|
| x-Achse | Menge |
| y-Achse | Preis |
| Angebotskurve | steigend (links unten → rechts oben) |
| Nachfragekurve | fallend (links oben → rechts unten) |
| Schnittpunkt | Marktgleichgewicht |
| Bewegung auf der Kurve | nur der Preis ändert sich |
| Verschiebung der ganzen Kurve | eine andere Einflussgröße ändert sich (z. B. Einkommen, Kosten) |
04 Verschiebungen
Was eine Kurve nach links oder rechts wandern lässt.
| Ursache | Nachfrage | Preis | Menge |
|---|---|---|---|
| Einkommen steigt | steigt | steigt | steigt |
| Trend/Geschmack ↑ | steigt | steigt | steigt |
| Anzahl Nachfrager ↑ | steigt | steigt | steigt |
| Substitutionsgut teurer | steigt | steigt | steigt |
| Komplementärgut teurer | sinkt | sinkt | sinkt |
| Produktionskosten ↑ | Angebot sinkt → Preis steigt, Menge sinkt | ||
| Löhne / Rohstoffpreise ↑ | Angebot sinkt → Preis steigt, Menge sinkt | ||
| Technische Innovation | Angebot steigt → Preis sinkt, Menge steigt | ||
| Steuer auf das Gut | Angebot sinkt → Preis steigt, Menge sinkt | ||
| Subvention | Angebot steigt → Preis sinkt, Menge steigt | ||
| Anzahl Anbieter ↑ | Angebot steigt → Preis sinkt, Menge steigt | ||
Kreuzpreiselastizität (AB 7a)
Substitutionsgüter → positiv
Beispiel: Butter & Margarine. Steigt der Butterpreis, sinkt die Nachfrage nach Butter, die nach Margarine steigt.
Komplementärgüter → negativ
Beispiel: Kraftfahrzeuge & Benzin. Steigt der Benzinpreis stark, sinkt die Nachfrage nach spritdurstigen Fahrzeugen.
05 Elastizität
Wie stark reagiert eine Menge, wenn sich der Preis ändert?
Ganz einfach gedacht
Stell dir ein Gummiband vor: Reagiert die Nachfrage elastisch wie Gummi (stark), oder starr wie Holz (kaum)?
| Wert | Bezeichnung | Bedeutung |
|---|---|---|
| E = 0 | vollkommen unelastisch | Menge reagiert gar nicht |
| 0 < E < 1 | unelastisch | Menge reagiert schwächer als der Preis |
| E = 1 | einheitselastisch | Menge ändert sich um denselben %-Satz wie der Preis |
| E > 1 | elastisch | Menge reagiert stärker als der Preis |
| E → ∞ | vollkommen elastisch | schon minimale Preisänderung → unendliche Mengenreaktion |
Elastisch vs. unelastisch im Diagramm
unelastisch (E<1)
steile Kurve — Menge reagiert kaum
elastisch (E>1)
flache Kurve — Menge reagiert stark
06 Rechenbeispiele
Fünf Beispiele, steigende Schwierigkeit — direkt aus euren Arbeitsblättern.
Grundprinzip
Preis steigt von 10 € auf 12 €, Nachfrage sinkt von 100 auf 90 Stück.
Preisänderung: (12−10)/10 × 100 = +20 %
Mengenänderung: (90−100)/100 × 100 = −10 %
EN = −10 % ÷ 20 % = −0,5 → Betrag 0,5
Ergebnis: EN = 0,5 → unelastisch
20 % teurer, aber nur 10 % weniger Nachfrage — die Reaktion ist unterproportional.
Flachbildmonitore — elastische Nachfrage
Preis 500 € → 400 €, Nachfrage 10.000 → 20.000 Stück.
Preisänderung: −20 % | Mengenänderung: +100 %
EN = 100 % ÷ (−20 %) = −5 → Betrag 5
Umsatz vorher: 500 € × 10.000 = 5.000.000 € | nachher: 400 € × 20.000 = 8.000.000 €
Ergebnis: EN = 5 → stark elastisch, Umsatz steigt um 3 Mio. €
Die Nachfrage reagiert so stark, dass die Preissenkung sich für den Anbieter richtig lohnt.
Heizöl — unelastische Nachfrage
Preis 0,40 € steigt um 25 % → 0,50 €. Nachfrage sinkt von 5.000 l um 10 % → 4.500 l.
EN = −10 % ÷ 25 % = −0,4 → Betrag 0,4
Umsatz vorher: 2.000 € | nachher: 2.250 €
Ergebnis: EN = 0,4 → unelastisch, Umsatz steigt um 250 €
Heizöl ist notwendig, es gibt kaum Alternativen — die Nachfrage bleibt fast gleich.
Angebotselastizität
Bei 10,00 € werden 500 kg angeboten, bei 8,00 € nur 100 kg.
Preisänderung: −20 % | Mengenänderung: −80 %
EA = −80 % ÷ (−20 %) = 4
Ergebnis: EA = 4 → elastisch
Kleine Preisänderungen bewirken hier eine überproportionale Änderung der Angebotsmenge.
Bahn & FlixBus — Kreuzpreiselastizität
Bahnticket 50 € → 65 € (+30 %). FlixBus-Tickets 240.000 → 315.000 (+31,25 %).
EK = 31,25 % ÷ 30 % = ≈ 1,04
Ergebnis: EK ≈ 1,04 (positiv)
Positives Vorzeichen → Bahn und FlixBus sind Substitutionsgüter: Kunden weichen aus.
+ Elastizitäts-Rechner
Trag eigene Werte ein — Klausuraufgaben einfach direkt hier durchrechnen.
07 Elastizität & Umsatz
Umsatz = Preis × Menge — aber die Reaktion der Menge entscheidet, was mit dem Umsatz passiert.
| Situation | elastisch (E>1) | unelastisch (E<1) |
|---|---|---|
| Preiserhöhung | Umsatz sinkt | Umsatz steigt |
| Preissenkung | Umsatz steigt | Umsatz sinkt |
Merksatz: Bei elastischer Nachfrage bestimmt die Menge den Umsatz. Bei unelastischer Nachfrage bestimmt der Preis den Umsatz.
08 Einflussfaktoren der Elastizität
Warum reagiert das eine Gut stark, das andere kaum?
Ersatzprodukte
Viele Alternativen → elastisch (Juwelen E=2,8). Kaum Alternativen → unelastisch (Streichhölzer E=0,0).
Notwendigkeit
Lebensnotwendige Güter → unelastisch. Luxusgüter → elastisch.
Anteil am Einkommen
Kleiner Budgetanteil (Salz) → unelastisch. Teure Anschaffungen (Möbel) → elastischer.
Zeit
Kurzfristig eher unelastisch (Gewohnheit). Langfristig elastischer (Anpassung möglich).
09 Vollkommener Markt
Ein theoretisches Modell — kein realer Markt.
Der vollkommene Markt ist kein realer Markt, sondern ein Modell der VWL. Ein vollkommener Polypolmarkt heißt auch "Markt der vollständigen Konkurrenz". Börse und Devisenmarkt kommen ihm am nächsten.
Bedingungen (AB 5a)
| Bedingung | Bedeutung |
|---|---|
| Homogenität der Güter | alle Güter sind völlig gleichartig |
| Keine persönlichen Präferenzen | kein Anbieter wird aus Sympathie bevorzugt |
| Keine räumlichen Präferenzen | Entfernung spielt keine Rolle |
| Keine zeitlichen Präferenzen | Öffnungszeiten spielen keine Rolle |
| Vollständige Markttransparenz | alle kennen Preise & Bedingungen vollständig |
Marktformen im Überblick
Polypol
viele Anbieter, viele Nachfrager — Preisnehmer
Oligopol
wenige Anbieter, viele Nachfrager — gegenseitige Abhängigkeit
Monopol
ein Anbieter, viele Nachfrager — bestimmt den Preis
10 Aufgaben & Lösungen
Klick auf eine Frage, um die Lösung einzublenden.
Verständnisfragen11 Typische Fehler
Diese Fehler darf ich morgen nicht machen!
12 10-Minuten-Lernzettel
Die absolute Essenz, für den letzten Blick vor der Klausur.
Formeln
U = P × Q
EN = %ΔQ ÷ %ΔP
EA = %ΔQAngebot ÷ %ΔP
EK = %ΔQGut1 ÷ %ΔPGut2
Zusammenhänge
E<1 unelastisch · E=1 einheitselastisch · E>1 elastisch
EK positiv → Substitute · negativ → Komplemente
Elastisch: Preis↑ → Umsatz↓ · Unelastisch: Preis↑ → Umsatz↑
Merksätze
"Je höher der Preis, desto mehr Angebot — aber desto weniger Nachfrage."
"Überschüsse bringen den Preis von selbst zurück ins Gleichgewicht."
"Elastisch reagiert stark, unelastisch reagiert schwach."
13 Klausur-Check
Wenn alle Haken gesetzt sind, bist du bereit.
Eure Übungsaufgaben (AB 6, AB 6b, AB 7, AB 7a) rechnen durchgehend mit der einfachen Prozentmethode (bezogen auf den Ausgangswert), nicht mit der Mittelwertsmethode aus den South-Western-Folien. Für die Klausur: einfache Methode nutzen, außer explizit anders verlangt.